Wirtschaftsmacht China - Ein Besuch vor Ort

Eine Delegation des Landtags-Wirtschaftsausschusses besuchte im September die Wirtschaftsmetropolen im Osten Chinas - Shanghai, Nanjing, Wuxi und Peking. Die siebentägige Reise war gespickt mit Unternehmensbesuchen, politischen Gesprächen und dem Austausch mit vor Ort tätigen Verbänden und Organisationen. Wichtigstes Fazit: diese Region Chinas hat sich enorm entwickelt. Die Infrastruktur ist häufig hervorragend ausgebaut, der Bauboom ist unübersehbar und die Wirtschaft prosperiert. Alle Delegationsteilnehmer - auch diejenigen, die China schon einmal früher bereist hatten - waren überrascht und beeindruckt von diesem Entwicklungsstand. Damit einhergeht für viele Chinesen auch der Zuwachs des eigenen Wohlstands.

Deutsche Unternehmer vor Ort berichteten, daß ihre lokale Produktion nicht - wie in vergangenen Zeiten - für den Export gedacht ist, sondern fast ausschließlich zur Deckung chinesischer Nachfrage. Sie produzieren auf europäischem Qualitätsstandard mit chinesischem Lohnniveau, eine durchaus lukrative Geschäftstätigkeit. Dennoch ergeben sich auch Probleme: die Fluktuation ist sehr hoch, der Ausbildungsstand zum Teil schlecht, so daß den Mitarbeitern wichtige Befähigungen im Unternehmen erst beigebracht werden müssen. Der Einfluß der kommunistischen Staatspartei ist zwar im Alltag wenig sichtbar, sie zieht aber im Hintergrund die Fäden und ist für alle wichtigen Entscheidungen relevant. Die Umweltbelastung ist hoch, die Energieverschwendung enorm: der Energieverbrauch pro Wohnung ist um ein vielfaches höher als in Europa. Diese Probleme erscheinen inzwischen hinreichend präsent zu sein; in annähernd jedem Gespräch mit politisch Verantwortlichen wurden Umweltfragen thematisiert.

Wie ein roter Faden zog sich durch alle Termine die große Gastfreundschaft der Chinesen und ihr Interesse an den Erfahrungen der deutschen Besucher. Die Gespräche verliefen in freundschaftlicher Atmosphäre, die Gastgeber waren bereit, auch über heikle Themen zu sprechen und sich durchaus auch selbstkritisch zu äußern. Umgekehrt lernten wir deutschen Politiker, wie schnell eine Staatswirtschaft, die Widerspruch nicht zuläßt, arbeiten kann: der Bau einer Autobahn von Peking zur Chinesischen Mauer mit einer Länge von 80 km dauerte 8 Monate und beschäftigte 300.000 Menschen! So fragwürdig dieses Gesellschaftssystem auch ist, so ermöglicht es eine Geschwindigkeit der Veränderung, die in einer komplexen politischen Struktur in Deutschland nicht vorstellbar wäre.

Fazit: ein riesiges Land, von dem die Ausschussmitglieder nur einen winzigen Ausschnitt kennengelernt haben. Eine Region, die wirtschaftlich stark prosperiert und optisch von westlichen Metropolen nicht mehr weit entfernt ist. Ein interessantes Land, touristisch wie wirtschaftlich, das für deutsche Unternehmen viele Erfolge bereit halten kann.

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